Betriebsprüfer haben jeden Euro im Blick

Von Ilse Schlingensiepen

Ärzte Zeitung, 17.01.2011 05:00

steuerfahndung

Betriebsprüfer schauen ganz genau
hin: Ist wirklich alles sauber versteuert?

© Arpad Nagy-Bagoly / fotolia.com

DÜSSELDORF. Der niedergelassene Arzt aus Norddeutschland hat eine gut gehende Praxis und wollte eigentlich in fünf Jahren in den Ruhestand gehen. Steuerangelegenheiten hatte immer sein Steuerberater erledigt.

Der Arzt glaubte, alles richtig gemacht zu haben - bis zu einer Betriebsprüfung. Jetzt steht ihm eine Nachzahlung von 400.000 Euro ins Haus, der Ruhestand droht in weite Ferne zu rücken. Der Grund: Der Steuerberater hatte den Betriebsprüfer - aufgrund von Äußerlichkeiten - nicht ernst genommen und sich dementsprechend arrogant verhalten.

Das hat sich gerächt. Der Finanzbeamte hat die Betriebsprüfung von drei Jahren auf sechs Jahre ausgeweitet und akribisch nach Fehlern gesucht. Die Zeche zahlt der Arzt.

"Der Steuerberater wollte sich profilieren", sagte die Steuerberaterin Karin Henze auf dem "Ersten Düsseldorfer Symposium für Vertragsärzte" der Ärztekammer Nordrhein und der Münsteraner Rechtsanwaltskanzlei Frehse Mack Vogelsang.

Henze hat den Fall von dem ursprünglichen Steuerberater übernommen, der inzwischen gestorben war. "Anderthalb Jahre lang wurde jeder Beleg hin und her gedreht", berichtete sie. "Wenn der Betriebsprüfer eins hat, dann ist es Zeit."

Bei Betriebsprüfungen spiele eine Rolle, ob die Chemie zwischen dem Finanzbeamten und dem Steuerberater stimme, sagte Henze. Das kann ein niedergelassener Arzt nicht beeinflussen. Er kann aber bestimmte Verhaltensregeln für den Fall beachten, dass ihn die Steuerfahndung ins Visier nimmt oder er eine Betriebsprüfung hat.

Die Finanzverwaltung hat bei einer steuerlichen Außenprüfung das Recht, die Buchprüfung per Datenzugriff zu überprüfen. Das betreffe Daten der Finanz-, Lohn- und Anlagenbuchhaltung. Bei Arztpraxen seien für die Betriebsprüfer zum Beispiel die KV-Abrechnungen von Interesse, sagte Henze.

Betriebsprüfung und Steuerfahndung

Bei Freiberuflern kann das Finanzamt eine Betriebsprüfung oder Außenprüfung veranlassen. Dabei können die Beamten für einen bestimmten Zeitraum und einzelne Steuerarten alle relevanten Sachverhalte überprüfen. Hier geht es meist um eine Zufallsprüfung. Über die Steuerfahndung wollen Behörden gezielt Steuerstraftaten oder Ordnungswidrigkeiten aufdecken und die Besteuerungsgrundlagen ermitteln. Ihr liegt meist ein Verdacht oder eine Anzeige zugrunde.

Sie können feststellen, ob die eingezogene Praxisgebühr tatsächlich erfasst wurde. Bei den Fahrtenbüchern kontrollierten die Prüfer, ob private und berufliche Fahrten exakt sind. "Ich kenne kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch", so Henze, die auf eine lange Berufspraxis zurückblicken kann.

Auch bei Bewirtungsbelegen und geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen schauen die Prüfer genau hin. Es rächt sich, wenn die Ärzte schummeln. "Das Härteste, was ich erlebt habe: Ein Arzt hatte seine 89-jährige Mutter als Aushilfe in den Büchern."

Über Kontrollmitteilungen von anderen Finanzämtern werden die Prüfer auf bestimmte Sachverhalte aufmerksam, denen sie nachgehen, sagte Henze. "Das Finanzamt kann von der Vortragstätigkeit eines Arztes erfahren." Hat der Niedergelassene das so erzielte Honorar nicht versteuert, bekommt er Probleme.

Ob und wann ein Arzt eine Betriebsprüfung bekommt, hänge oft vom Zufall ab. "Beliebt sind auch Anzeigen von ehemaligen Mitarbeiten, Ehepartnern oder Nachbarn." Der Arzt kann Einfluss auf den Ort der Betriebsprüfung nehmen, betonte Henze.

"Man sollte es nicht in den eigenen Praxisräumen machen." Die Prüfer sollten alle Fragen zusammenstellen, empfahl sie. Nur auf diese Fragen sollte sich die Schlussbesprechung beziehen. Das schütze vor Überraschungen.

"Die Steuerfahnder kommen morgens früh und nutzen den Überraschungseffekt", sagte die Expertin. In einem solchen Fall sollten Ärzte unverzüglich ihren Steuerberater oder den Rechtsanwalt benachrichtigen - oder auch beide. Allerdings müssten die Fahnder nicht auf deren Eintreffen warten. "Lassen Sie sich den Dienstausweis zeigen und den richterlichen Durchsuchungsbeschluss", empfahl Henze.

Egal wie nett oder verständnisvoll die Steuerfahnder erscheinen: Die Ärzte sollten sich niemals zur Sache äußern, auch nicht inoffiziell. "Sie haben ein Schweigerecht, und davon sollten Sie auch Gebrauch machen." Das Schweigerecht gelte auch für Mitarbeiter, wenn sie als Beschuldigte vernommen werden sollen.

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Karin Henze

vereidigter Buchprüfer
Steuerberater

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Heilberufebereich (IFU/ISM gGmbH)

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